Zitronelle: Dumme Daisy
Es war zufällig Muttertag, als ich zu meiner Mutter fuhr. Ich stand noch an der Ampel, gerade von der Autobahn runter, da dämmerte mir, dass ich was vergessen hatte: Ich hatte nichts in der Hand! Ich meine, als Mitbringsel. Und just stand da ein Blumenwohnwagen auf dem Parkplatz nach der Ampel. Deswegen war ich wahrscheinlich überhaupt gerade auf den Gedanken gekommen! Ich hielt an, musste mich hinter einem Mann anstellen und wurde Zeugin folgender erschreckender Szene und Opfer entsprechender innerer Monologe:
Der Wohnwagen war vor seinem Verkaufsfensterchen mit Blumenkübeln zugestellt, die hilflos dem Nieselregen ausgesetzt waren. Im Gegensatz zu einem kleinen, weißen Fiffi:
Der durfte bei dem Hundewetter auf der inneren Wohnwagenfensterbank hocken und war mit einer kleinen rosa Schleife versehen.
-- Sieht aus wie „Daisy“, dachte ich.
Der neugierige Kunde vor mir steckte seinen Kopf ins Wohnwagenfenster, um den Hund zu beschnüffeln.
-- Wahrscheinlich ist er gerade auf dem Weg zu einer noch verhaltenen Angebeteten, da muss er noch mal schnell Flirten üben, das kann er nämlich nicht gut, dachte ich.
Der Schoßhund hob den Kopf und hechelt brav.
„Wie heißt der Kleine denn?“ Der Mann tätschelte „den Kleinen“ und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem unausgesprochenem „Nee wie süß!“
„Tina“, antwortete die stolze Blumenfrau in der wetterfesten Daunenweste. „Von Tina Turner. Sie kann nämlich auch singen. Tina, sing mal! Sing!“
-- „?!!“, dachte ich.
Das Zottel-Hündchen stellte sich auf seine Mini-Hinterpfötchen und jaulte leise auf. Der Mann bezahlte glücklich lächelnd seinen Strauß.
--Das war ja mal ein Flirt! dachte ich.
Ich bezahlte meinen Strauß für Muttern, innerlich glücklich lächelnd, weil ich wieder einmal von anderen unbemerkt echt was erlebt hatte!
Zitronelle
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